GOGOL

27. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die neueste Oper von Lera Auerbach ist keine Biografie Gogols sondern ein Versuch einer Darstellung seines geistigen Innenlebens kurz vor seinem Tode.  Wütend   lehnen sich die selbsterschaffenen Charaktere gegen ihn auf, im Wahn verweigert er jede Nahrungsaufnahme. Wer immer ihm helfen wollte, ob Magd, Bischof oder Arzt, sie alle bringen Teufel, Tod und Hexen mit sich. Gogol sehnt sich den Tod herbei und sucht Erlösung in ihm. Doch als der Tod erscheint und ihn lockt, tötet er ihn. Mit seinem letzten Atemzug verflucht der Tod den Schriftsteller- seine Strafe: das ewige Leben.

Es folgen Szenen wie das hektische Reisen durch Europa, die vergebliche Brautschau beim Mädchenhändler und die Verhandlung vor Gericht. Gogol wird angezeigt, Russland ins Verderben gestürzt zu haben. Mit seinen Beschreibungen von blutigen Kriegen und grausamer Folter verdirbt er die Seelen der Menschen. Mehrmals ist man der Meinung der wahnsinnige Schriftsteller wäre nun doch tot umgefallen. Aber noch im selben Moment hüpft er wieder auf oder irrt verzweifelt über die Bühne. Bis zum Schluss bleibt er am Leben, auch dann, als alles andere um ihn herum bereits totenstill geworden ist.

Tatsächlich war Gogol von seiner Literatur enttäuscht. Es ist zwar belegt, dass die Öffentlichkeit häufig über ihn spottete; doch nie weil man ihm Begabung absprach (schließlich war er ein Schützling Puschkins!), sondern seines abstoßenden Äußeren wegen. Selbstverständlich half es da auch nicht, dass der Priester, den Gogol zu Rate zog, ihm zu verstehen gab, dass alles Schreiben prinzipiell des Teufels sei. So stürzte er sich nur noch tiefer in seine Verzweiflung und ermahnte sich zu noch härterer Buße.

Ich gebe zu, dass ich mit Gogols Werk besser vertraut bin, als mit seinem Leben. Das Wenige, das ich über ihn als Vorbereitung auf meinen Opernbesuch über ihn heraus gefunden habe, wurde allerdings szenisch wunderbar dargestellt. Als Fan der Literatur haben mich natürlich die Anspielungen auf sein Werk besonders erfreut.

Nebenbei: heute gilt Gogol als Vater der russischen Prosa. So war es letztendlich Gogol selbst, der sein Werk am wenigsten verstanden hat.

„Mir soll man kein Denkmal setzen. Wenn man mich schon ehren möchte, so ehre man die Würmer, die an meiner Leiche nagen.“

(Zitat aus dem Gedächtnis aus der Oper „Gogol“ von Lera Auerbach – wird akkurat zitiert, so bald ich mir das Libretto besorgt habe. Ein Verbrechen, das nicht gleich im Theater zu verkaufen!)

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