Arthur Schnitzler: Die Traumnovelle

13. Juni 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Verfilmung: Eyes Wide Shut (1999)

Es ist leicht zu erraten von wem Schnitzler die Inspiration erhielt die Traumnovelle zu schreiben. Traumdeutung und Freuds Ausführungen dazu waren das Gesprächsthema zur Zeit Schnitzlers. (Neben bei gesagt, ist bekannt, dass sich Schnitzler sehr dafür interessierte was der Herr Kollege so trieb – beide waren sie schließlich Ärzte.)

Kurz zum Inhalt: Albertine und Fridolin sind schon einige Jahre verheiratet, haben ein kleines Töchterlein und führen nach außen hin eine harmonische Ehe. Fridolin bezieht Albertine in wichtige geschäftliche Angelegenheiten ein und respektiert ihren Rat. Wie es aber häufig vorkommt, ist die Ehe durchaus nicht so stabil wie es den Anschein hat. Beide schon haben sich mit dem Gedanken beschäftigt den jeweils anderen zu betrügen und das beschaulich-fade Leben hinter sich zu lassen. Eines Abends eröffnen sich Fridolin gleich drei fabelhaft-unwahrscheinliche Möglichkeiten zum Seitensprung, doch er vergibt sie alle (nicht immer willentlich wohlgemerkt). In der selben Nacht erzählt Albertine ihm von einem Traum, in dem sie in den Armen eines anderen Mannes seelenruhig dabei zu sieht, wie er, Fridolin, ans Kreuz geschlagen wird. In seinem Ego zutiefst gekränkt macht sich Fridolin am nächsten Tag auf, all die vergebenen Versuchungen erneut herauszufordern und diesmal auch jeder zu erliegen.

Interessant ist, dass für Fridolin ein simpler Traum seiner Gattin ebenso schwer wiegt wie tatsächlicher Ehebruch. Auch seine eigenen Eskapaden, obschon sie in der Wirklichkeit statt finden, nimmt er wie im Traume wahr. So können beide Erlebnisse, sowohl diejenigen von Albertine als auch die von Fridolin, in der Traumwelt angesiedelt werden.

Schnitzler war ein Verfechter gnadenloser Aufrichtigkeit. Er meinte, Partner hätten sich in einer Beziehung alles zu gestehen – daran würde sie zerbrechen oder aber gestärkt daraus hervorgehen. (Frei nach dem Motto: Was einem nicht umbringt,…) Die Traumnovelle ist ein Paradebeispiel für diese seine Einstellung. Es fällt also nicht schwer zu erraten, wie das kleine Prosawerk (nur knapp 100 Seiten) ausgeht. Details werden natürlich nicht verraten 🙂

Im übrigen war er eine ganz schöne Skandalnudel und berüchtigt für seine nicht jugendfreien Inhalte. Einige zartbeseiteten Damen haben anno dazu mal bei der Lektüre gewiss empört ausgerufen: „Also, das gehört sich doch aber nicht!!“

Ich selbst bin ein großer Schnitzler-Fan und bin der Meinung, dass der gute sich keineswegs nur für Schullektüre eignet. Also bitte zugreifen. Auch hier kann ich nur sagen: äußerst Lesenswert.

Schnitzer, Arthur: Die Traumnovelle. Stuttgart: Reclam Verlag, 2006

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