Alexandre Dumas: Die Kameliendame

18. Juni 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Quelle: der Audo Verlag

Die Kameliendame ist pure Romantik. Marguerite ist eine Lebedame. Sie ist sterbenskrank und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wenigen Jahre, die ihr noch bleiben, in Saus und Braus zu verleben. Sie lässt sich von allerhand Herren haushalten und gönnt sich jeden Luxus. Trotz ihres verwerflichen Lebensstils ist sie aber gewiss kein verdorberner Charakter. Männern, an denen sie kein Interesse hat, spielt sie nichts vor und lehnt sie rund heraus ab oder sieht ihren Freunden ihre Fehler nach und borgt ihnen großzügig hohe Summen Geld. Eines Tages trifft sie Armand; einen junger Mann, der sie schon seit zwei Jahren von ihr unbemerkt beobachtet und aus der Ferne innig liebt. In kürzester Zeit verfällt auch Marguerite ihm und sie verbringen einen herrlichen Sommer auf dem Land – zu zweit und glücklich. Dies ist aber nicht von Dauer, denn als Armands Vater den Ruf seiner Familie durch die unsittliche Beziehung seines Sohnes gefährdet sieht, sucht er die gute Marguerite auf und verbietet ihr den Kontakt zu seinem Sohn. Um der vielversprechenden Zukunft Armands Willen, trennt sie sich von ihm und gibt als Grund die Sehnsucht nach ihrem früheren Leben in Reichtum und Rausch an. Sie wählt sich den erstbesten Gönner, der ihr über den Weg läuft und feiert wie zuvor an Spieltischen und Festtafeln.

Wie das ganze ausgeht lässt sich natürlich leicht vorhersehen, aber um jenen, die den Roman noch nicht gelesen haben, die Freude nicht zu verderben, werde ich hier abbrechen.

Der Roman wurde vom Beyerischen Rundfunk als Hörspiel aufgenommen, in dem, wie ich finde, alle Mitwirkenden wirklich glänzten. Die Gesangseinlagen, die Musik und selbstverständlich die Dialoge wurden ausgezeichnet umgesetzt. Besonders angetan haben es mir die Stimmen von Joana Maria Gorvin (Marguerite), Klausjürgen Wussow (Armand) und Horst Tappert (Baron von Varville, Marguerites Gönner und Verehrer).

Allein dafür schätze ich das Hörspiel. Nebenbei gesagt hat es mir auch die Stunden des Wäschebügelns versüßt. Ich hatte in der Tat genug Wäsche zu bügeln um den gesamten 103 Minuten in einem durch zu lauschen.

Der Plot selbst ist absoult nicht nach meinem Geschmack. Die Charaktere kennen kein anderes Gesprächsthema als die Liebe. Marguerite hört tagtäglich von allen Seite Liebesschwüre – so viele, das sie gar nicht mehr dran glauben möchte, tatsächlich geliebt zu werden. Wer mag’s ihr verübeln. Nach einer halben Stunde hab sogar ichschon nicht mehr geglaubt, dass in dem Stück irgendjemand der Liebe fähig wäre (na, ab gesehen von Marguerite selbst, natürlich). Das Wort wurde sooft wiederholt, dass es jegliche Bedeutung verlor und nur noch als leere Hülle im Raum stand. Naturgemäß war es überdies entsetzlich dramatisch. Armands Avancen mögen vor 150 Jahren als romantisch gegolten haben; heute würde man ihn sicherlich als Stalker einsperren. Abgesehen davon packt ihn unablässig wegen der kleinsten Nichtigkeiten die Eifersucht und benimmt sich nicht besser als ein Dreijähriger, der die volle Aufmerksamkeit seiner Mama braucht. („Ich hab dich überhaupt nicht mehr lieb. Ich geh jetzt fort und komm nie, nie mehr wieder!“ bla bla) Als würde eine Geschichte um verbotene Liebe und tödliche Krankheiten noch mehr Drama brauchen.

Ich nehme an, dass das Buch nicht nur seiner Handlung wegen berühmt geworden ist. Es ist durchaus gesellschaftskritisch und beschäftigt sich mit der Rolle der Frau zu jener Zeit. Marguerite ist unverheiratet und nimmt die Gunst der Männer gerne an, daher wird sie geächtet. Selbst als letzten Endes alle Welt einsieht, dass sie das gutherzigste Geschöpf auf Gottes Erdboden ist, muss sie dennoch sterben um der glorreichen Zukunft ihres Liebsten nicht im Wege zu stehen. Ich will jetzt nicht näher drauf eingehen, denn ich würde mich sicherlich zu lange in Ausführungen ergehen und um ehrlich zu sein, habe ich auch nicht genügend Recherchen angestellt um mich nun in eine Tirade um die Opferrolle der Frau (nur Frauen, die das größtmögliche Opfer erbringen und ihr Glück hinter das aller anderen Stellen sind positiv belegt und sollen den Leserinnen als Vorbild dienen) hineinzusteigern. Der Punkt ist, dass dieser Aspekt sicherlich zum Erfolg beigetragen hat.

Heute kennt man nicht nur den Roman sondern auch das Theaterstück (es wurde schon unzählige Male in Theatern in ganz Europa, vermutlich der ganzen Welt, aufgeführt) und wurde auch als Oper umgesetzt – Verdis Meisterwerk „La Traviata“.

Nun, wer das Drama liebt, der wird die Kameliendame sicherlich mit Vergnügen lesen. Ich für meinen Teil habe das Hörspiel nur aufgrund der fabelhaften Stimmen genossen.

Alexandre Dumas: Die Kameliendame. Berlin: Der Audio Verlag, 2009

In einer Übersetzung von Ludwig Berger, Infos und Hörproben gibt’s auf www. der-audio-verlag.de

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