Knapp daneben ist auch vorbei

13. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

In den vergangenen zwei Wochen habe ich zwei Bücher angelesen und frühzeitig abgebrochen. Ich dachte, ich könnte mich einmal in unbekannte Gewässer vorwagen und Genre lesen, an denen ich für gewöhnlich lieber vorbei gehe. Obendrein handelte es sich bei beiden Büchern um Bestseller, das heißt, sie trafen anscheinend den Geschmack vieler Menschen, also warum nicht auch meinen?

Zu aller erst versuchte ich mich in Sachen Kriminalliteratur. Abgesehen vom Brenner und dem Fandorin kenne ich keine literarischen Ermittler. (Auch Sherlock Holmes, Miss Marple und Hercule Poirot kenne ich nur vom Hören-Sagen bzw. aus diversen Filmadaptionen.)

Also probierte ich es mit Daniel Gattlauers „Darum“. Der Plot ist schnell umrissen. Ein Mann begeht einen Mord, will aber sein Motiv nicht verraten. Keiner seiner Bekannten versteht ihn, da er einerseits ein friedliebender Mensch ist und sein Opfer andererseits anscheinend nichts mit ihm zu tun gehabt hat.
Das Buch war 2002 in aller Munde – zumindest erinnere ich mich daran, viel davon gehört zu haben.

Ich habe die ersten 100 Seiten gelesen und wurde nicht recht warm damit. Jan ist von Beruf Journalist und hebt das gerne hervor. Er reflektiert über sein eigenes Schreiben und macht die Phrasen, die er benutzt, konsequent schlecht. Im Grunde ist er wohl der Meinung, dass ein Journalist heutzutage nicht schreiben können muss – was einem schnell daran zweifeln lässt, ob es sich dann überhaupt lohnt, seine Aufzeichnungen zu lesen. Den Satz „Zum Glück bin ich kein depressiver Mensch.“ habe ich bestimmt zehn Mal gelesen. Es ist klar, dass die häufige Wiederholung bezwecken sollte, Jan als jemanden darzustellen, der seine eigene Gemütsverfassung verleugnet – aber das geht erstens deutlich aus der Handlung hervor und war zweitens schon bei der zweiten Wiederholung fad.

Ich habe das Buch dann rasch weggelegt. Ich fühlte mich an manchen Stellen an „Der Weihnachtshund“ (ein weiterer Roman von Glattauer) erinnert, den ich ebenfalls als eine sehr quälende Lektüre empfunden habe. Dabei schätze ich Daniel Glattauer sehr als Kolumnisten. Die Sammlung seiner Kolumnen „Die Vögel brüllen“ habe ich mehrmals gelesen. Den Standard habe ich mir auch nur dann gekauft, wenn ich auf der Seite sein Namenskürzel „dag“ ausfindig machen konnte. (Leider ist dort schon länger nichts mehr von ihm erschienen.)

 

Das zweite Buch war Simon Becketts „Tiere“, erschienen bei rowohlt. Das Buch gibt es bereits in der achten Auflage, was für eine große Beliebtheit spricht. Allerdings konnte ich das auch hier nicht ganz nachempfinden. Ich habe ungefähr die ersten und letzten zwei Kapitel gelesen und circa eines in der Mitte. Nigel, der Protagonist und Ich-Erzähler, ist ein intellektuell eher eingeschränkter Angestellter, der von den meisten seiner Kollegen regelmäßig auf den Arm genommen wird. Was keiner weiß: Nigels Hobby ist es hie und da Prostituierte, Obdachlose und Drogensüchtige aufzulesen und bei sich zu Hause im Keller einzusperren. Dort füttert er sie mit Hundefutter und dressiert sie zum Zeitvertreib. Nigel selbst weiß anscheinend nicht, warum er sich seine Haustiere überhaupt hält, dem Leser ist das aber schon nach dem ersten Kapitel klar. Minderwertigkeitskomplex. Da gibt es ein paar Einstreuungen aus der Kindheit – auch damals wurde er immer ausgelacht oder übergangen, dann wieder Szenen aus dem Familienleben mit seinem Papa, dem Bordellbetreiber.

Da der Ich-Erzähler nicht gerade der Hellste ist, ist auch das Vokabular dementsprechend schlicht. Besonders gerne wurden in der deutschen Übersetzung „oder so“ oder „und so“ eingesetzt. Praktisch jeder dritte Satz endet damit. Das nervt! Nigels Erzählweise ist reichlich unspektakulär, daher verliert man rasch das Interesse. Obendrein ist die Handlung leicht vorherzusehen. Ich mag zwar nur fünf oder sechs Kapitel gelesen haben, habe aber dennoch das Gefühl, das Werk vollständig zu kennen. Es ist mir, trotz der großen Auslassungen, nichts entgangen.

Es ist an und für sich gut, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein, diese beiden waren aber eindeutig Fehlgriffe und im Grunde Zeitverschwendung. Ich nehme an, es wird wieder eine Weile vergehen bis ich mich an Thriller oder Krimis heranwage.

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