Igarashi Daisuke: Witches [Manga, Rezension]

21. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein gutes Manga findet man nur schwer. Sehr viel seltener als ein gutes Buch, da es hier meines Wissens nach noch keine Bibliographien oder Leselisten gibt. (Wenn jemand welche kennt, möge er mich bitte darauf hinweisen. Ich wäre überglücklich!) Schöngeistige Literatur ist viel einfacher zu finden, da in jedem Kulturkreis allgemein bekannt ist, welche Bücher als wertvoll betrachtet werden. Comics, Graphic Novels und Mangas haben dagegen keinen solchen Hintergrund. Fragt man sich, welches Buch man unbedingt gelesen haben muss, findet man rasch eine Antwort: eindeutig Faust von Goethe oder Hamlet von Shakespeare. Stellt man sich aber die selbe Frage zum Thema Comic, denkt man erst verdutzt nach und zuckt dann mit den Schultern. Um etwas wirklich Profundes zu finden, muss ich mich in der Regel durch hunderte tiviale Titel kämpfen. Umso mehr freut es mich selbstverständlich, wenn ich endlich auf etwas von echtem Wert stoße. Dazu zählt in jedem Fall Igarashis Witches.

Witches ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die alle um das Thema der Hexe, Wahrsagerin, Medium und Schamanin kreisen. Jede spielt in einem anderen Kulturkreis. Auf diese Weise wird man mit den Legenden des Posperus, des Amazonasgebiets oder der Alpen konfrontiert.

Als Beispiel ziehe ich diejenige Kurzgeschichte heran, die in meinem eigenen Kulturraum spielt: Petra Genitalix. 300.000 km über der Erde in deren Orbit wird der Gesichtsschutzhelm eines Astronauten beim Weltraumspaziergang durch einen winzigen Meteor zerstört. Der Astronaut überlebt (obwohl der Stein in seinem Kopf stecken blieb und das Visir im Vakuum durchbrochen wurde) und wird zur Behandlung auf die Erde zurück gebracht. Dort lehrt die große Hexe Mira der kleinen Alicia nicht nur die Hexenkunst, sondern auch das Fährtenlesen und das Brauchtum der Region. Als unheilvolle Prophezeiungen aufkommen, wendet sich die katholische Kirche an Mira. Als Hexe von der Kirche geächtet, ist sie dennoch die einzige, die Willens ist, das Leben vor einer gräßlichen Transformation zu bewahren.

Petra genetalix ist lateinisch und bedeutet Stein der Geburt. Damit wird auf die Theorie der Panspermie angespielt, wonach die essentiellen Bausteine für das Leben durch Meteoriteneinschläge auf die Erde gelangte. Daneben findet man auch Bezüge zu den Perchtenumzügen, den zwölf Nächten zur Weihnachtszeit, in denen die Geisterwelt an die Welt der Lebenden heranrückt oder auf die mysthische Ogam oder Ogham-Schrift aus Irland (was treffend ist, da die Kelten nachweislich bis in die Alpen vordrangen und auch dort ihre Kultur verbreiteten). Hier mischen sich also Science Fiction und Mythos.

Darüber hinaus werden in dieser Kurzgeschichtensammlung auch die Zerstörung von Lebensraum, Krieg, Umweltschutz, Geschichte und die Götter Asiens und Europas angesprochen. Sie ist noch keineswegs vollständig von der Gruppe Mangascreener übersetzt, ist aber bereits teilweise online zugänglich.

Die Serie hat auf mich persönlich großen Eindruck gemacht. Ein großes Spektrum an Mythen, Kulturen und Theorien wird in fantastischen Bildern ausgebreitet, von denen einige mir noch lange in Erinnerung bleiben werden. Ich werde mich gewiss in einigen mir bekannten Fachgeschäften auf die Suche machen um mit dem einen oder anderen Band meine private Bibliothek zu erweitern.

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