Anna Katharina Hahn: Am Schwarzen Berg

4. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ina Hartwig schreibt folgendes über diesen Roman:

Anna Katharina Hahn lässt die dunkle Seite der Romantik im heutigen Stuttgart auferstehen … ein meisterlicher schwarzer Roman.

Auf jeder Seite dieses Romans springen Tulpen aus der Erde, duftet es nach Jasmin, wiegen sich blühende Wicken im Wind. Hier strahlt dottergelb, erdbeerrot und grasgrün. Es ist Sommer im Schrebergartenvorort bei Stuttgart und obwohl ringsum alles im satten Leben steht, schaut es bei Familie Rau und Bub ganz finster aus. Der Sohn der Raus, Peter, ist wieder nach Hause zurück gekehrt. Sein gesundheitlicher und seelischer Zustand ist erschreckend. Der Vater, Arzt, verschreibt ihm sofort einen schweren Medikamentecocktail, weist eine strenge Diät an. Die Bubs stürtzen in eine ebenso tiefe Fassunglosigkeit und Angst wie die leiblichen Eltern. Selbst kinderlos, sehen sie Peter als ihren eigenen. Sie hatten erheblichen Einfluss auf seine Erziehung, haben ihm Geschichten erzählt, auf ihn aufgepasst, wenn die Eltern außer Haus waren, machten mit ihm Hausaufgaben, nahmen ihn auf Ausflüge mit, feierten sein Abitur.
Peter ist nun erwachsen und hat selbst Familie – eine Frau und zwei Söhne. Er arbeitet halbtags um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können und die beiden Buben vergöttern ihn. Eines Tages packt die Mutter die beiden Kinder zusammen und verschwindet vollständig aus seinem Leben. Die Eltern haben den depressiven Peter gerade noch rechtzeitig im schimmelnden Hausrat gefunden, bevor er ihm eigenen Dreck verhungert wäre.

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Arthur Schnitzler: Die Traumnovelle

13. Juni 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Verfilmung: Eyes Wide Shut (1999)

Es ist leicht zu erraten von wem Schnitzler die Inspiration erhielt die Traumnovelle zu schreiben. Traumdeutung und Freuds Ausführungen dazu waren das Gesprächsthema zur Zeit Schnitzlers. (Neben bei gesagt, ist bekannt, dass sich Schnitzler sehr dafür interessierte was der Herr Kollege so trieb – beide waren sie schließlich Ärzte.)

Kurz zum Inhalt: Albertine und Fridolin sind schon einige Jahre verheiratet, haben ein kleines Töchterlein und führen nach außen hin eine harmonische Ehe. Fridolin bezieht Albertine in wichtige geschäftliche Angelegenheiten ein und respektiert ihren Rat. Wie es aber häufig vorkommt, ist die Ehe durchaus nicht so stabil wie es den Anschein hat. Beide schon haben sich mit dem Gedanken beschäftigt den jeweils anderen zu betrügen und das beschaulich-fade Leben hinter sich zu lassen. Eines Abends eröffnen sich Fridolin gleich drei fabelhaft-unwahrscheinliche Möglichkeiten zum Seitensprung, doch er vergibt sie alle (nicht immer willentlich wohlgemerkt). In der selben Nacht erzählt Albertine ihm von einem Traum, in dem sie in den Armen eines anderen Mannes seelenruhig dabei zu sieht, wie er, Fridolin, ans Kreuz geschlagen wird. In seinem Ego zutiefst gekränkt macht sich Fridolin am nächsten Tag auf, all die vergebenen Versuchungen erneut herauszufordern und diesmal auch jeder zu erliegen.

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Bis nächstes Jahr im Frühling

31. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

„Oh!“ Noyuri sog überrascht die Luft ein. Sie hatte nicht damit gerechnet, ihm schon zu begegnen, denn sie waren eigentlich vor dem Kaufhaus Wako verabredet. Warscheinlich findet er meine Reaktion übertrieben, dachte sie und bekam Schluckauf. Takuya marschierte wortlos vor ihr her. Bis zu ihrem ursprünglich vereinbarten Treffpunkt am Kaufhaus Wako drehte er sich nicht einmal zu ihr um. Erst als sie vor den blitzblank geputzen Schaufenstern ankamen, blieb er stehen. […] „Guten Tag“, sagte Noyuri versuchsweise, da Takuya so beharrlich schwieg. Es klang ein wenig gehemmt, denn sie hatte noch immer Schluckauf. eRst nachdem sie es gesagt hatte, fiel ihr auf, dass es schon fast sieben Uhr abends war. Ob sie sich korrigieren und lieber „Guten Abend“ sagen sollte?“ S 81

Quelle: Hanser Verlag

Ok, Hände hoch, wer hat erraten, dass es sich bei diesen beiden, Noyuri und Takuya, um ein Ehepaar handelt? Niemand? Wundert mich nicht. Noyuri aber sehr. Sie fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihr Ehemann sie betrügt. Sie hätte es nie vermutet. Auch nicht, dass etwas in ihrer Ehe falsch läuft. Vielleicht ist „fällt aus allen Wolken“ ein zu starker Ausdruck. Eigentlich fällt sie in sich selbst. Noch tiefer als ohnehin schon. Sie hat sich kaum aus dem Haus bewegt, nachdem sie geheiratet hat. Ich tippe auf zuviel Angst vor der Außenwelt. Sie lässt sich leicht einschüchtern. Auch von einem Fahrkartenautomaten am Bahnhof. Noyuri braucht ein Jahr um sich darüber klar zu werden, wie es um ihre Ehe steht und vor allem darüber, was sie will. Will sie die Scheidung? Oder um ihren Ehemann kämpfen? Liebt sie ihn überhaupt?

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