Bis nächstes Jahr im Frühling

31. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

„Oh!“ Noyuri sog überrascht die Luft ein. Sie hatte nicht damit gerechnet, ihm schon zu begegnen, denn sie waren eigentlich vor dem Kaufhaus Wako verabredet. Warscheinlich findet er meine Reaktion übertrieben, dachte sie und bekam Schluckauf. Takuya marschierte wortlos vor ihr her. Bis zu ihrem ursprünglich vereinbarten Treffpunkt am Kaufhaus Wako drehte er sich nicht einmal zu ihr um. Erst als sie vor den blitzblank geputzen Schaufenstern ankamen, blieb er stehen. […] „Guten Tag“, sagte Noyuri versuchsweise, da Takuya so beharrlich schwieg. Es klang ein wenig gehemmt, denn sie hatte noch immer Schluckauf. eRst nachdem sie es gesagt hatte, fiel ihr auf, dass es schon fast sieben Uhr abends war. Ob sie sich korrigieren und lieber „Guten Abend“ sagen sollte?“ S 81

Quelle: Hanser Verlag

Ok, Hände hoch, wer hat erraten, dass es sich bei diesen beiden, Noyuri und Takuya, um ein Ehepaar handelt? Niemand? Wundert mich nicht. Noyuri aber sehr. Sie fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihr Ehemann sie betrügt. Sie hätte es nie vermutet. Auch nicht, dass etwas in ihrer Ehe falsch läuft. Vielleicht ist „fällt aus allen Wolken“ ein zu starker Ausdruck. Eigentlich fällt sie in sich selbst. Noch tiefer als ohnehin schon. Sie hat sich kaum aus dem Haus bewegt, nachdem sie geheiratet hat. Ich tippe auf zuviel Angst vor der Außenwelt. Sie lässt sich leicht einschüchtern. Auch von einem Fahrkartenautomaten am Bahnhof. Noyuri braucht ein Jahr um sich darüber klar zu werden, wie es um ihre Ehe steht und vor allem darüber, was sie will. Will sie die Scheidung? Oder um ihren Ehemann kämpfen? Liebt sie ihn überhaupt?

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