Steinbeck, John; Capa, Robert: Russische Reise

20. August 2013 § 3 Kommentare

Das Ziel, das sich Steinbeck und Capa mit diesem Bericht gesetzt hatten, war es zwischen Amerika und Russland, die sich damals bereits im Kalten Krieg befanden, zu vermitteln. Steinbeck wollte nicht über Politik, Aufrüstung und Kriegsgeheisch schreiben, sondern über die einfachen Leute, wie sie lebten, arbeiteten, sich kleideten und wovon sie träumten. Dieser Linie ist er auch treu geblieben. Er berichtet von Bauern in der Ukraine, die seit vier Jahren in Erdlöchern hausten und nun erstmals wieder Häuser bauen, beschreibt die historischen Bauten in Tiflis, die 800-Jahr-Feier in Moskau und die Zerstörung im damaligen Stalingrad.

Prinzipiell sagt Steinbeck nie etwas Schlechtes über die Russen. Wenn er kritisierte, dann gab er umgehend zu, dass er im Grunde kein Experte ist und auch keine Vergleichsmöglichkeiten hat. Diejenigen, die bei ihm jedoch gar kein gutes Wort abbekamen, waren die Deutschen. Er nannte sie zerstörungswütige Kinder, befand die Kriegsgefangen als wohlgenährt und erachtete es als ausgleichende Gerechtigkeit, dass die deutschen Soldaten, die Städte wieder aufbauten, die sie zerstört hatten.

Der Name John Steinbeck sagte mich nichts. Ich beschäftige mich so gut wie gar nicht mit amerikanischer Literatur und dennoch kam es mir so vor, als hätte ich Steinbeck schon irgendwo gehört.
Ich las jeden Falls ohne zu recherchieren und stellte fest, dass mir sein Schreibstil ganz und gar nicht gefiel. Er war ausgesprochen schlicht und man schmeckte den journalistischen Einfluss heraus, was mir persönlich immer bitter aufstößt. Ich lese nicht all zu viel Reiseliteratur – ich bewege mich meist im Rahmen der Fiktion – und habe daher keine Vergleichsmöglichkeiten; mir kam das Werk aber dennoch unnötig einsilbig und schmucklos vor. Ein Beispielsatz: „Wie wir vermutet hatten, stellte sich heraus, daß die Russen Menschen wie du und ich sind und daß sie sehr nett sind.“ (S 286) Ein gutes Beispiel für seinen und meiner Meinung nach schlechten Stil. Möglich das dies mit der Übersetzung von Susann Urban zusammenhängt, ich habe mir die Mühe des Vergleichs mit dem Original zugegebener Maßen und fauler Weise nicht gemacht. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

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Анна Ахматова „Requiem“

16. August 2013 § 3 Kommentare

На прошлой неделе я прочитала стихотворение «Requiem» Анны Ахматовны. Она описывает, как её сына за гроши посадил в тюрьму во время режима Сталина. Она рассказывает об унынии в тюрьме и о страхе смерти. У неё чудесное чувство для мелодии языка и запоминающаяся метафора как, например «каменное слово» (= приговор) или «как из-под век выглядывает страх».

Мой любимой стих был:

Нет, не под чуждым небосводом,
Не под защитой чуждых крыл –
Была тогда с моим народом,
Где мой народ, к несчастью, был. (Апрель, 1957)

Я уже прочитала некоторые стихи Анны Ахматовны и я ею восхищаюсь. Сейчас я учу наизусть один из её стихови, под названием «Легкие летят недели» (1939).

Anna Achmatowa: Requiem. Berlin: Oberbaum Verlag, 1987

Frühling auf dem Mond

5. Juni 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Frühling und der Mond hüpfen in letzter Zeit fröhlich durch mein Bücherregal. Erst verabschiedet sich Kawakami mit den hoffnungsvollen Worten „Bis nächstes Jahr im Frühling“, nun blüht laut Julia Kissina „Frühling auf dem Mond“ und demnächst wird Daniel Bakopoulos‘ flehentliches „Please don’t come back from the moon“ bei mir im Postkasterl landen. Der Zufall hat mir da ein interessantes Thema beschert.

Mond, das ist ein sehnsuchtsvolles weltentrücktes Wort. Unsere Protagonistin ist ausgewiesene Lunatikerin und beobachtet mit großen Augen den Zerfall ihrer Heimatstadt um sich herum. Während alles Alte verlöscht, entwächst sie mit jedem Jahr ihrer Kindheit. Wie Phönix aus der Asche steigt sie aus dem entrücktemn Kiew auf. Ihre morbide Faszination kündigt sich schon im ersten kurzen Kapitel an. Dort läuft man rasch von Betrachtungen über den Tod zur Zurschaustellung des zurück gebliebenen Leibes im anatomischen Theater zum Verschlingen von totem Fleisch über. Hier bekundet sich einer zum Vegetarismus, da das Verspeisen unserer „niedrigsten Brüder“ (S 142), den Schweinen, für ihn dem Kannibalismus gleich kommt. (Später erfährt man, dass dieser Person nach einem Infarkt bei einer geheimen und experimentellen Operation die Herzklappe eines Schweines eingesetzt wurde.) Dort kostet das Kind neugirieg und unwissentlischt die Asche einer verstorbenen Bekannten. Wir wohnen einer Hochzeit mit einem toten Schauspieler bei und hören von den Erwachsenen, wie sie über ihre Maschinengewehrkindheit sprechen.

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Weltpremiere GOGOL – Hexen, Teufel, Wahnsinn

30. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

GOGOL

27. November 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die neueste Oper von Lera Auerbach ist keine Biografie Gogols sondern ein Versuch einer Darstellung seines geistigen Innenlebens kurz vor seinem Tode.  Wütend   lehnen sich die selbsterschaffenen Charaktere gegen ihn auf, im Wahn verweigert er jede Nahrungsaufnahme. Wer immer ihm helfen wollte, ob Magd, Bischof oder Arzt, sie alle bringen Teufel, Tod und Hexen mit sich. Gogol sehnt sich den Tod herbei und sucht Erlösung in ihm. Doch als der Tod erscheint und ihn lockt, tötet er ihn. Mit seinem letzten Atemzug verflucht der Tod den Schriftsteller- seine Strafe: das ewige Leben.

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